Begegnungen

Eine weiße Leinwand und eine vage Idee. Ein inneres Bild drängt nach außen, möchte erzählt, verbildlicht werden. Der kreative Prozess nimmt Fahrt auf und schafft eine eigene Welt zwischen Künstler und Werk. Eine Welt voller Möglichkeiten und Intensität.

 

Der Prozess fordert eine Begegnung von Moment zu Moment. Ich nähere mich dem Bild ohne Vorannahmen, gestalte, lasse Raum für Antworten, spüre meine Resonanz. Ich finde mich wieder, jenseits von Erwartungen oder Bedeutungen, im reinen Tun. Als ob nicht ich male - sondern es.

 

Zuweilen antwortet das Bild nicht, es ist kein Gegenüber mehr, vielleicht nur noch Sinnbild meiner Befindlichkeit. Dann ist Zeit für eine Pause, gilt es loszulassen und zu gegebener Zeit einen neuen Kontakt zu wagen, der häufig genug erst nach kompletter Übermalung möglich wird. Und dann gibt es den Punkt, an dem es stimmt, an dem es mich berührt, etwas Wesentliches offenbart. Nicht im Sinne einer Gewissheit oder einer Eindeutigkeit. Eher als eine Verstörung und gleichzeitig als vieldeutige, grundlegende Verbundenheit, die jeden Betrachter auf eine eigene Reise mitnehmen möchte und ihr/ihm so respektvoll begegnet.

 

Große Formate erleichtern ganzheitliches, expressives Malen. Meine Bilder sind seit langem mindestens 100 mal 80 cm groß, damit sie auch große Bewegungsimpulse aufnehmen können. Gespachteltes, eingelegtes und geworfenes Material gibt dem oft ruhigen Farbauftrag Bewegung und Tiefe, erzeugt Spannung, lässt das Bild im Licht atmen. Leider kann dies keine Reproduktion einfangen…